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Mannschaftssport Erwachsene  

Gestern dt. Vizemeister, heute das Aus

Tischtennis beim FC Nordhalben,Bayernligateam löst sich auf,Bericht und Kommentar von Hans Franz

Reiner Kürschner vom FC Nordhalben

Nordhalben – Keine Tischtennis-Mannschaft hat es im Landkreis Kronach je geschafft, so hochklassig angesiedelt zu sein, wie dies dem 1. Herrenteam des FC Nordhalben gelang. Der Höhepunkt war ohne Zweifel im Jahre 2004 erreicht, als der Aufstieg in die Regionalliga zu Buche stand. Zwar konnte diese dritthöchste Liga Deutschlands, es folgen nur noch die 2. und 1. Bundesliga, nicht über eine längeren Zeitraum gehalten werden, dennoch spielten die Mannen um Spielertrainer Reiner Kürschner in der Folgezeit stets auf hohem Niveau. So auch in der vergangenen Saison, als in der Landesliga Nord nach guter Vorrunde und einem starken Endspurt (neun Punkte aus fünf Partien) die Vizemeisterschaft errungen wurde. Wegen dem erfolgreichen Abschneiden in der Relegationsrunde war sogar der Aufstieg in die höchste Liga Bayerns geschafft.

In der kürzlich erfolgten Ligen-Neueinteilung für die kommende Serie 2012/13 wird deshalb der FC Nordhalben auf der Internetseite des Bayerischen Tischtennisverbandes als Bayernligist auch geführt. Doch inzwischen sind nur wenige Tage vergangen und die Frankenwälder stehen bereits als erster Absteiger fest. Der Grund ist, dass sich die Mannschaft mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb zurückzieht.

 

Wie kam es nun zu diesem völlig überraschenden Ereignis:

Im Rahmen einer Vorstandssitzung des Gesamtvereins gab es Widerstände in dem 13-köpfigen Gremium gegen die Neuverpflichtung eines 23-jährigen tschechischen Tischtennisspielers. Reiner Kürschner hatte sich im Vorfeld um diesen Neuzugang bemüht, da die bisherige Nummer zwei, Ingo Haumer, sein angekündigtes Laufbahnende vollzog. Hätte Haumer seine Karriere beim FC fortgesetzt, so wäre es weder zu einer Sitzung noch zu einer Diskussion und Abstimmung mit deren nunmehriger Trageweite gekommen.  

Kürschner erachtete die Ergänzung des Teams als notwendig, da man mit einer mehr oder weniger ersatzgeschwächten Mannschaft in der Bayernliga nicht bestehen kann. Letztlich kam es zur Abstimmung, wo das Vorhaben der Neuverpflichtung die Mehrheit des Gremiums ablehnte.

Wie auf Nachfrage Vorsitzender Helmut Hellgoth erklärte, sei die Abstimmung zu Ungunsten der Neuverpflichtung unter anderem auf finanzielle Gründe zurückzuführen. Es hätten auch bereits Mitglieder ihren Austritt angekündigt und gefundene Sponsoren für die Bandenwerbung am Sportgelände hätten sich dahin geäußert, nur die Fußballer aber nicht die Tischtennisakteure unterstützen zu wollen. Auch aus der Öffentlichkeit heraus sei der Druck größer geworden, von einer Neuverpflichtung Abstand zu nehmen.

Da seit langem die Hochphase im Tischtennis vorbei sei und nur noch wenige Zuschauer an Landesliga-Spieltagen gezählt werden können, stünde auch die Verhältnismäßigkeit des betriebenen Aufwands bei den Tischtennissportlern der 1. Mannschaft in keinem Verhältnis mehr. »Ich hatte keine Alternative als gegen die Neuverpflichtung zu stimmen, auch wenn mir dies sehr schwer fiel, da ich ja selbst aktiver TT-Spieler gewesen bin«, so der »Vereinschef«. Als Vorsitzender habe er auch die Aufgabe bei finanziellen Risiken - der Hauptverein ist nicht unwesentlich verschuldet - Schaden abzuwenden.

Nicht akzeptieren will Hellgoth den Vorwurf, dass die Fußballer an dem gefällten Beschluss den Hauptanteil trügen. Das Gremium setze sich nur aus drei Vertretern der Sparte Fußball, dafür aber aus sechs Tischtennis-Vertretern zusammen. Hinzu kommen noch zwei Schachspieler und mehr oder weniger zwei neutrale Personen.

Aufgrund des Abstimmungsergebnisses verkündete Kürschner, dass er und auch die Stammspieler Rolf Eberhardt, Friedel Tomaschko und Günter Fuhrmann nicht mehr für den FC antreten würden. Kürschner hatte kurz vorher engen Kontakt vor allem mit Eberhardt und Tomaschko, da sie als Trio Deutscher Vizemeister der Senioren-Altersklasse 50 in der Oberpfalz geworden waren. So muss resümiert werden: Am Sonntag noch einen großen Triumpf auf deutscher Ebene für den FC Nordhalben gefeiert und am Dienstag das Aus der gesamten Landes- bzw. Bayernliga-Mannschaft.

Aus Verärgerung über den ergangenen Beschluss erklärte Kürschner weiter, dass er vorerst all seine Vereinsaktivitäten als Spieler, Trainer und Jugendleiter ruhen lassen werde. Den Schritt des Rücktritts will die stellvertretende FC-Vorsitzende Anita Beetz, die zusätzlich kommissarisch für den zurückgetretenen Frank Stumpf die Abteilung Tischtennis leitete, gehen. Schriftführerin Gisela Hable, die aktive Oberfrankenliga-TT-Spielerin ist, hat ohnehin schon seit längerem die Niederlegung ihres Amtes im Visier und wird diese auch bei der nächsten Hauptversammlung vollziehen.

Unmut herrschte bei den Befürwortern vor allem auch, weil zu Beginn der Sitzung Vorsitzender Hellgoth geäußert hatte, dass er sowie Fußballspartenleiter Werner Wachter und Jugendleiter Oswin Michel zurücktreten würden, falls einer Neuverpflichtung zugestimmt werden würde. »Dies kommt doch einer Erpressung gleich«, so Kürschner zu dieser Androhung. Hinsichtlich der finanziellen Lage ergänzt das TT-Urgestein, dass in der Vergangenheit die Fußballer wesentlich mehr Unkosten verursachten als die TT-Akteure. Zu verstehen gibt Kürschner auch, dass bei der 1. Fußballmannschaft, die mit dem SV Wolfers-/Neuengrün II eine Spielgemeinschaft bildet, mit Roman Spacek und Peter Kroupar auch zwei Tschechen im Einsatz sind.

Völlig enttäuscht über diese Entwicklung beim FC Nordhalben, dem rund 370 Mitglieder angehören, zeigte sich Bürgermeister Josef Daum, der nicht nur Mitglied ist, sondern auch treuer Zuschauer bei den Begegnungen des Landesligateams in der Nordwaldhalle war. »Unsere Tischtennissportler, allen voran Reiner Kürschner, haben für überaus positive Schlagzeilen deutschlandweit gesorgt, sodass nicht nur der Verein, sondern auch unser Ort positiv in aller Munde war«, so Daum. »Ich kann diese Vorkommnisse einfach nicht nachvollziehen«, sagte ein merklich bestürztes Gemeindeoberhaupt.

Ein weiteres Problem gibt es nun für die Spieler insoweit, dass diese den Verein wegen der abgelaufenen Frist nicht mehr wechseln können. Besonders schmerzlich dürfte dies für den geplanten Neuzugang sein, der bei seinem bisherigen Verein mit viel Dank verabschiedet worden war, auf der Wechselliste des Bayerischen Tischtennisverbandes ordnungsgemäß vermerkt war und nun ohne Verein dasteht.

Gänzlich ohne Mannschaft steht die FC-Sparte Tischtennis aber (noch) nicht da. Es werden zwei Damenteams (Oberfrankenliga und 1. Kreisliga) sowie eine Herrenmannschaft auf Punktejagd gehen. hf

 

Kommentar

Die Krise beim FC Nordhalben

von Hans Franz

Als im Jahre 2009 die Abteilung Tischtennis des FC Nordhalben auf ihr 60-jähriges Bestehen blickte, wurde im Rahmen der Ehrungen Reiner Kürschner ob seiner unendlich vielen großen Tischtennisauftritte als der erfolgreichste »Sportler aller Zeiten von Nordhalben« geehrt. Diese seinerzeitigen Worte vom Vorsitzenden Helmut Hellgoth hatten durchaus ihre Berechtigung, schaut man auf die Siegerliste von Kürschner, der in frühren Jahren mit Bayreuth in der Bundesliga spielte und in der Folgezeit sogar deutsche Meistertitel in die Klöppelgemeinde mit brachte. Doch nach der jüngsten Vorstandssitzung und dem daraus resultierenden Beschluss, eine von Kürschner geforderte Neuverpflichtung abzulehnen, ist nun wohl zwischen ihm und dem Vorsitzenden das Tischtuch zerrissen. Sportler haben sicherlich Verständnis für den Wunsch Kürschners, denn das Team hätte in der nächsten Serie in der Bayernliga gespielt und da war einfach Spielerbedarf angesagt. Andererseits darf man auch die Verantwortung des Vorsitzenden Hellgoth für den Gesamtverein nicht außer Acht lassen.

Dass nun eine Sitzung dazu führte, dass ein recht erfolgreiches Team von heute auf morgen nicht mehr existent ist, dies ist schon erstaunlich. Dies auch umso mehr, da das Meiste für die neue Saison schon ausgelotet war. Nun aber dürfte der FC Nordhalben, der bislang ein sehr hohes Ansehen bis hinauf zum Deutschen Tischtennisbund genießt – er war unter anderem bereits genialer Ausrichter von Länderspielen –, beim Bayerischen Tischtennis-Verband mit dem Rückzug aus der Bayernliga in Ungnade fallen. Von den Kosten, die auf ihn zukommen, noch zu schweigen.

Schon kurz nach dem Bekanntwerden des Mannschaftsrückzugs, schrillten bei vielen Tischtennissportlern und Funktionären im Kreis, Bezirk und Verband die Alarmglocken. Was ist dann da im oberen Frankenwald passiert? Ob sich über dieses Echo alle 13 Ausschussmitglieder im Klaren waren, dies darf bezweifelt werden. Sicherlich ist es ihr gutes Recht über Vereinsbelange zu entscheiden, wie sie es für richtig erachten. Wenn damit dem Wohl des Vereins gedient ist, dann ist dies so in Ordnung. Sollten aber irgendwie andere Gedanken im Hinterkopf umherschwirren, dann sitzt dieser Personenkreis auf der völlig falschen Position.

Trotz allem bleibt für den Außenstehenden die Frage offen, ob es denn wirklich die richtige Entscheidung war. Nun hat nämlich Nordhalben neben vieler demographischer und örtlicher Schwierigkeiten ein weiteres Problem - den Fußballclub, kurz FC. Bleibt zu hoffen, dass die Aussage eines langjährigen Mitgliedes, dies sei der Todesstoß über kurz oder lang für die Tischtennissportler und auf weitere Sicht für den Gesamtverein gewesen, nicht zutreffen möge.

Der FC Nordhalben im Jahre 2010

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